6. Die (R)Evolution von Innen erschafft KIM


Was die Künstler*innen uns Normalos längst vormachen ist, dass sie ihre Seele und Emotionen von Innen nach Aussen tragen. Wenn wir mit unserem echten Engagement - mit Herz und Seele - bei der Sache sind und das machen was wir wirklich wollen, ist das Fundament gelegt. Ich war von den Gedanken und Gefühlen als Teenager und dem was auf mich einprasselte überfordert. Aber da war was, dass mehr wollte. Mit 17 startete diese (R)Evolution von Innen. Sie wurde durch “Grass fressen” mit körperlichen und seelischen Tiefpunkten immer wieder aufgehalten. Wenn der Glaube nicht stirbt oder die Gewohnheit obsiegt, kann es auch dann weiter gehen. Es geht, wie ich schon ausgeführt habe, um das Wahre. Um das zu finden was mich im Mangel oder in der Knappheit leben lässt. Bei mir war das die Einsamkeit, die mir viele Sinne abtötete. Meine Lieblingszahl Sieben bekam eine grosse Bedeutung. Ob es die Todsünden, die Weltwunder oder eben die sieben Sinne sind. Sie hat schon immer eine mystische Bedeutung gehabt auf Menschen, diese Sieben. Es gibt auch einen oder den besten Künstler der Schweiz, der sich nach dieser Zahl benennt. Anfang 2020 hat er mit “Seele” eine echte Hommage an das was bedeutsam in uns wirkt besungen. Der höhere Zweck ist nicht die Arbeit, auch wenn sie für viele dazu geworden ist. Sie kann höchstens dafür sorgen, dass ich ein sinnvolles Leben führe, aber den Sinn gibt nur Entwicklung und Wachstum als Mensch und das bezieht sich auf uns selber und unsere Kinder. So wird die Frage nach dem Purpose für Individuen und Kollektivs die Krise definitiv überdauern. Aber einige, noch so tolle Methoden der neuen Arbeit oder auch der neuen Spiritualität werden wieder verschwinden. Denn in beiden Bewegungen ist zu beobachten, dass es Menschen gibt, die daraus ein leichtes Geschäft vermuten und nicht verstanden haben, dass es um Entwicklung geht und sie daran gemessen werden. Arbeit und Identität sind weder heilige Grals noch sind sie fix. Nein, sie leben und geben Bestätigung, wenn dabei der Mensch im Fokus steht. Finden wir uns darin von Innen nicht wieder, geht etwas grundlegend schief oder wir schaffen Systeme, die viel Ordnung und Prozesse schaffen, aber keinem höheren Zweck dienen und damit nicht sinnvoll sein können.

 

Die Abhängigkeit von Aussen wird die Schwarze Schwan Problematik verstärken. John Elkington hat bereits das Zeitalter der grünen Schwäne ausgerufen. Die schwarzen Schwäne, die Nicolas Nassim Taleb in einem Weltbestseller eindrücklich beschrieben hat, sind Ereignisse - wie Pandemien, unerwartete Kursstürze an den Finanzmärkten, etc. -, die die Weltordnung ins Wanken bringen. Bei den grünen Schwänen geht es um die Adaption auf die Umweltrisiken und die Forderung, dass wir einen regenerativen Kapitalismus brauchen. Das bedingt Entwicklung beim Menschen, sodass die Systeme resilient werden und die gewohnte Vergangenheit parkiert und transformiert werden kann. Dafür muss das Neue aber sichtbar und fühlbar sein. Ein Denken wird es nicht tun. Es braucht ein Machen. Diese Entwicklung vom Denken ins Machen geht nur von Innen. Eine Transformation funktioniert auch nur mit gleichzeitiger Evolution. Deshalb braucht es neue Kompetenzen, eine wahrhafte Integrität einer genügend grossen Anzahl an Menschen, die heute und morgen in Führung gehen und ein Wohlwollen gegenüber dem menschlichen Potenzial. Damit ist auch schon klar, dass eine Abkehr von der einseitigen Sicht auf Ordnung und Kontrolle nötig ist. Es braucht für einen regenerativen Kapitalismus lebendige Systeme, solche wachsen aus uns Menschen heraus, die wir auch lebendige Wesen sind. Sie werden nicht von den Maschinen kommen! Deshalb braucht es, wie ich es im Springer-Buch “Zukunft der Arbeit - Perspektive Mensch” beschrieben habe, ein umdeuten der Intelligenz (in englisch “smart”) von dem Technologie-Fokus in den Mensch-Fokus. Die Technologie kann dabei helfen, aber nicht den Mensch ersetzen. Deshalb spreche ich neben dem Umdeuten von Smart von KIM: Dem Einklang von Kompetenz, Integrität und Menschlichkeit. Wollen wir Kompetenzen, die mit Integrität und Wohlwollen einhergehen, braucht es in allen Bildungseinrichtungen eine Balance aus kognitiver und emotional-sozialer Kompetenzbildung. Zu letzterem zählen z.B. die sieben Säulen der Resilienz, die sieben Sinne, die sieben Tugenden und sieben Sünden. Letzteres ist enorm wichtig, weil wir Menschen bestehen aus guten und bösen Anteilen, wir müssen lernen beide bewusst zu nutzen, um die Tugenden zu stärken. Denn die Menschenrechte werden immer ein Blatt Papier bleiben, wenn wir die Tugenden nicht im Alltag ausleben können. Ich bin dabei nicht blauäugig und sehe die Welt auch nicht in rosa. Ich denke bei diesen Positionen an das Individuum und den lokalen Kontext, weshalb ich auch den “Ort für Macher*innen” mit-initiere. Es braucht die Vorbilder, die das können. Deshalb braucht es in den Wirtschaftsschulen eine Umkehr auf lebendige Systeme, um die machende Schöpferkraft zur Entfaltung zu bringen.