1. Die Kraft der Krise


Wir - und dabei denke ich an dich als Macher*in, als Unternehmer*in - sollten das was aus 20 Jahren experimentieren wirklich gezogen hat, zur Arbeit mitnehmen und die Buzzwords vergessen. Mit Wörter prahlen, können viele, aber so machen, dass jede*r folgen kann, ist eine Kunst. Erst wenn wir konsequent aus der Tiefe schöpfen, die Grenzen ziehen und für das Neue brennen, kann ein Kollektiv einem höheren Zweck folgen. Erst dann haben wir die Balance wieder gefunden, die Balance des Momentes, in dem alles fliesst. Also gilt es in Krisenzeiten sich und das Kollektiv ehrlich zu reflektieren und hinter die Buzzwords, die mit dem Verstand flirten, aber das Herz von Menschen nicht ansatzweise berühren, zu schauen, um die blinden Flecken und Schatten zu berühren. Auch kann die Gier nach mehr “Firlifanz” nur den Verstand verführen. Das Herz lacht sich in die Faust, weil es weiss, dass die Bedeutung von erkauften oder anderweitig von Aussen erhaltenen Dingen keine vier Wochen hält. Deshalb folge deinem Herzen. Es vertraut und schafft das Fundament für Überdurchschnittliches.

 

Wenn ich zurück schaue, wollte mein Verstand nachdem dieser das Wort Krebs gehört hat, wieder zur Arbeit. Der Verstand gab beim Verlassen des Spitals nach dem positiven Testresultat der Hand den Auftrag das Handy wieder hervor zu holen und die Mails zu checken. Rückblickend ist das der Verrat am Leben. Heute im Wissen, dass ich in einem System konditioniert wurde, das primär Praktiken kennt, die darauf hinauslaufen, dass ich die Angst vor dem Tod verdränge, indem ich Dinge erwerbe, die mit den lebendigen Prinzipien und der Widerstandskräften des Menschen nur bedingt was zu tun haben, sind Krisen unausweichlich. Krisen, wie Corona im Kollektiv eine ist, oder eben eine Krebsdiagnose, ein Burnout, eine Scheidung oder sonst ein sogenannter Schicksalschlag im Persönlichen, sind die ultimative Einladung zu persönlicher Entwicklung. Bewusste, persönliche Entwicklung ist aber immer möglich. Verstehen wir die Funktionsweise.

 

Menschen, in welchen Rollen auch immer, verändern sich durch Einsicht oder Krise. Wir sehen gerade aktuell, dass wir uns die Krise eigentlich nicht leisten können. Aber sie geschieht, weil wir dem Verstand erlegen sind. Wir haben kollektiv im Alltag vor der Krise das Herz ausgeschaltet. Dies ist keine Diagnose von mir, sondern bereits rund 40 Jahre alt. Im Vorwort zur ersten Ausgabe von “Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn” von Viktor Frankl ist auch zu lesen, dass wir einer kollektiven Neurose verfallen sind. Die NewWork-Bewegung versucht seit geraumer Zeit mit vielen neuen Wörtern, Methoden und Praktiken den Mensch ganzheitlich bei der Arbeit wieder zu aktivieren. Dafür haben die Firmen, Macher*innen und Unternehmer*innen heute in einer Krise bedingt Zeit. Es braucht wieder eine konsequent ganzheitliche Verantwortung und Integrität als Mensch. Der Mensch kann nicht erwarten, dass bei der Arbeit seine eigene Entwicklung, die sie*er über eine Maskerade, unbewusste Kompensationen und dem extensiven Konsumieren aus dem Weg geht, um der Angst vor der eigenen Sterblichkeit aus dem Weg zu gehen. Auch wenn es unter den Weltverbessern viele gibt für die es klar ist die Welt muss sich verbessern, ist die Krise da, um zu Hause erstmals die Maskerade vor dem eigenen Ego zu lichten und in der Stille die Herz-Stimme wahrzunehmen. Denn die Illusion, dass der persönliche Sinn im Aussen zu finden ist, ist so eingeschränkt, wie die Aussage, dass ich auf dem Thron glücklich sein werde. Diverse Untersuchungen zeigen, dass die Halbwertszeit von Glück auch bei einem Karriereziel nach vier Wochen abgelaufen ist. Dann wird man wieder auf das biologisch-soziale Selbst zurück geworfen, das wir im Kern sind. Deshalb propagieren nicht nur Religionsführer, Mönche und Yogi’s, sondern auch Unternehmer, wie Bodo Janssen die Stille als Kraft für die echte Veränderung. Alles andere ist eine Mode für Manager. Sie lässt sich gut verkaufen, aber hat sie Wirkung über die Zeit der Lieferung hinaus? Mir geht es um die Frage: Wie kann ein Schönwetterprogramm in und über die Krise hinaus mit einfachen, konkreten und greifbaren Lösungen wirken? Deshalb die Forderung zur radikalen Reflexion als Mensch und Organisation/Kollektiv.