4. Die Reaktion der Politik


Die Jugend ging mit «System Change» und der Wut auf die Politik 2019 auf die Strasse. Was ich sehr begrüsst habe und ganz ehrlich meiner Generation ankreide, dass wir diesen Druck nicht aufgebaut haben. Dabei ist interessant zu erzählen, dass 1972 Donatella Meadows das Buch «Die Grenzen des Wachstums» aufgelegt hat, 1987 die UNO den Brundtland-Bericht publiziert hat und 1992 der erste globale Gipfel für Umweltfragen in Rio stattfand, wo ein Schweizer Unternehmer, der in den 1980er Jahren (aber auch weit darüber hinaus) durch die Eternit-Krise arg gebeutelt wurde und tief lernen musste, dass es eine neue umfassende Politik aus Abgaben/Steuern und freiwilligen Verpflichtungen braucht. Er sagte das u.a. in die Mikrofone von ARD und SRF. Leider vergeblich. Im selben Jahr trat Bill Clinton mit dem Spruch “It’s the economy, stupid!” zur US-Präsidentenwahl an, die er gewann. In der Folge wurde die Globalisierung und die damit verbundene Todsünde Gier weiter angetrieben. Danach verblasste die Herzensbotschaft der Nachhaltigkeitsszene in der Wirtschaft. Man(n) versuchte mit dem Verstand neue nachhaltige Managementmethoden, wie z.B. Global Reporting Initiative (GRI), dem System zu verordnen. Das Blatt drehte sich erst als eine Minderheit von Jugendlichen weltweit ihre Wut und Trauer - sprich mit ihrem Herz - sich echt engagierten. In einer ersten Reaktionswelle beschlossen auch einige Parlamente Beschlüsse, aber über Klimanotstände und Flugticketabgaben ging es bisher nicht und so geht die Jugend zurück in Klausur und steht mit zivilem Ungehorsam und einem Camp im September auf dem Bundesplatz. Es ist eine Mahnwache. Diese wird aber von vielen - auch engagierten Politiker*innen - nicht verstanden, weil sie die neuen Haltungen/Mindsets noch nicht ausleben können. Es ist Unbekannt und damit nicht relevant im Alltag und so kann die Klimajugend noch lange Forderungen stellen, sie werden die Mehrheiten erst dann finden, wenn Pioniere die Methoden und Forderungen im Alltag pilotieren und zeigen, dass sie funktionieren. Denn ein Camp mit zivilem Ungehorsam wird nicht zu Mehrheiten im Parlament führen. In anderen Worten: Es ist nicht so, dass politische Mehrheiten nur über Vorbilder zu holen sind. Deshalb haben es Wissenschaftler und auch engagierte Jugendliche in einer Mediengesellschaft bisher nicht geschafft. Ich habe in der Wandelhalle, anderen Plattformen und durch Events Gespräche mit Politikern geführt. Das rund 25 Jahre nach meinem Abstecher ins Bundeshaus als OK-Mitglied der eidgenössischen Jugendsession. Am Ende dieser Gespräche für die Sache von VillageOffice stand die Interpellation und die Antwort des Bundesrates war perfekt. Dies hilft VillageOffice heute, um das Geschäftsfeld mit dem öffentlichen Sektor weiter zu entwickeln. Dies war möglich, weil der Ansatz von VillageOffice den Nerv der Zeit trifft, mit Herz die Gespräche geführt wurden, Menschen vernetzt und damit neue Türen aufgegangen sind. Eine Pioniertat. Machen eben. Dies brauchte jedoch sehr viele Gespräche und Überzeugungskraft. Ich war in meiner Rolle für VillageOffice dazumal noch sehr früh in der Entwicklung. Im Jahr der Antwort des Bundesrates hat die Verwaltung die erste Mobilitätskonferenz, in der die Mobilität und die Raumplanung gemeinsam besprochen wurden, durchgeführt. Also drei Jahre nach der Gründung von VillageOffice. Wir waren sicher nicht der einzige Grund, dass sich das Thema so entwickelt hat. Aber ohne wäre dies wohl auch nicht so gekommen. Auch deshalb sind wertschöpfende Aktionen bedeutend, denn wenn ich den Politiker*innen nicht handfest hätte zeigen können, welche Gemeinden, Regionen und Kantone Geld für das Thema regionales Coworking zur Initiierung von vitalen Netzwerken ausgeben, wäre die Geschichte nicht so gelaufen. 

 

Im Nachgang sehe ich einen Punkt klarer. Aus meiner Jugendpolitik-Zeit weiss ich, dass die Politik nur nachvollzieht und niemals neue Standards setzt. Speziell in der Schweiz. Sie setzt Rahmenbedingungen für nachgefragte und bereits wertschöpfende Leistungen und Bereiche. Neue Ansätze müssen sich zuerst etablieren, dass sie geregelt werden. Deshalb sind die Kraft der Krise, der Zweck und die wichtigen wertschöpfenden Aktionen so bedeutend. Erst dann kann eine neue Lösung für ein Problem, dass einen echten Mangel oder eine Knappheit bedient, sich so etablieren, dass eines Tages die Politik aktiv wird, um das Thema so zu regeln, dass sich Fülle in einem Thema für alle etablieren kann. Ich bin überzeugt, dass VillageOffice bis 2030 ein bedeutendes Angebot in den Regionen der Schweiz und vielleicht auch darüber hinaus sein wird, weil auch die Arbeitgeber*innen darauf Bezug nehmen und die SBB nach Corona einen Grossauftrag beschlossen, indem sie 60-80 Regionalbahnhöfe umnutzen. Auch haben 7 Nationalräte eine Forderung aufgestellt, dass in den Regionen bis 2030 100'000 Coworking-Plätze verfügbar sein sollen. Die Coworking-Szene (und nicht die Immobilienwirtschaft) ist gefordert sowohl pionierhafte als auch skalierfähige Angebote zu bieten, wenn sich die echte Kooperation weiter etablieren soll. Maria und Elisabeth in Pfäffikon SZ und Jenny in Wil zeigen Wege auf, wie Zusammenarbeit neu aussieht. Ich zeige dies heute im Toggenburg mit den Projekten "Kreativfabrik Toggenburg" und "Labor für Partizipation und Innovation" sowie als Mitglied in der Macherzentrum Genossenschaft und Moderator des regionalen Beirates für innovative Regionalentwicklung.

 

Am Ende geht es also um das echte MACHEN, in allen Lebenslagen. Wer der Fülle und Balance folgt, findet das Fundament aus dem sie*er schöpfen kann. Wird diese Quelle als Zweck für das Engagement herangezogen und mit echt wertschöpfenden Aktionen kombiniert, stimmt der Fokus. Genau darum habe ich mit Mitstreiter*innen den Ort für Macher*innen geformt. Die Reise geht weiter. Entwicklung hat ein Beginn, wenn ich mich bewusst für diese Art des Lebens entscheide. Ein MACHENDES Leben in Bewusstsein und Fülle für das was mein Herz brennt. Nicht alle haben dieses Privileg. Aber genau deshalb sollten diejenigen, die es können es tun und als machende Pioniere vorangehen. Sie verändern aus der inneren Überzeugung die Realitäten im Aussen für alle aber nur dann, wenn sie die innere Kraft der Entwicklung für ein vertikales Wachstum als Mensch nutzen, den eigenen Zweck im Kollektiv spiegeln und entwickeln, daraus primär wertschöpfende Aktionen realisieren, um der Politik und Gesellschaft Argumente zu liefern, dass sich das System verändern und damit entwickeln kann und darf.