3. Die wertschöpfende Aktion


Krisen bringen Klarheit, wenn wir die Schatten und blinden Flecken wirklich annehmen und Ursachen angehen. Die Anfangszeiten als unternehmerischer Macher waren äusserst hart. Ich habe die Ängste des Gründers mit Haut und Haaren durchlebt und später auch existenzielle Krisen als in Verantwortung stehender Verwaltungsrat durchlebt. Und 2019 erlebt, dass wenn der persönliche und kollektive Zweck nicht kongruent ist ein Aussteig zwingend notwendig wird. Ich hätte früher den Schritt wagen sollen. Auch da habe ich tief lernen dürfen. Ich bin dankbar, dass ich neue Arbeitsmethoden in der Praxis kennenlernen, aktiv fördern und ausleben durfte. Denn wertschöpfend sind nicht Methoden, sondern der Realtest und das Machen in der Praxis. Dafür brauche ich die Energie der eigenen Schöpferkraft. Das Herz, wo die Energie für die Aktion sitzt, ist wichtiger als die Methode, die der Verstand sich ausdenkt. Damit sage ich nicht, dass es keine Methoden braucht. Im Gegenteil. Es geht mir um die Reihenfolge. Zuerst das Herz und dann die Methode. Das Herz gibt mir die Kraft, um neuartige Wertschöpfungssysteme zu Gunsten eines höheren Zweck zu testen, eine Anschubsfinanzierung mit der Überzeugung der Macher*in zu gewinnen. Das haben die Co-Founder Kolleginnen Jenny und Dave für VillageOffice geschafft. Danach ging es darum den Firmen neue Angebote zu erarbeiten. Dank der Anschubsfinanzierung konnten wir mittels u.a. meinen Beziehungen in Firmen dies auch mit der Zielgruppe selber in einer Tageswerkstatt erarbeiten. Auch wenn wir noch so stark mit finanziellen, psychologischen oder andersweitigen stich- und nagelfesten Argumenten aufwarteten und diese als kreative Geschichten verpackt haben, konnten wir nur mit viel Aufwand überzeugen. Selbstkritisch würde ich heute festhalten, dass der Fokus stärker auf dem Neuen gelegen hat, als auf der wertschöpfenden Aktion und den Mustern der Zielgruppe. Wieso?

 

In der Meditationspraxis wird von der persönlichen Entwicklung hin zur Fülle und dem Bewusstwerden der Knappheit oder des Mangel von spezifischen Gefühlen gesprochen. Aus heutiger Sicht kann ich festhalten, dass ich dazumal nicht in der Lage war echt zu machen und Veränderung in mein Leben und das Leben der Entscheidungsträger*innen in den Firmen zu bringen. Ich hatte keine Ansprechpartner*innen auf der Gegenseite, die einen Mangel oder eine Knappheit gespürt haben. Mit Corona wird sich dies wohl ändern. Das ist Sache des heutigen Teams von VillageOffice. Die Erfahrung hat sich damals für mich gedreht, als ich in meiner Rolle begonnen habe mit Gemeinden in Kontakt zu treten. Dort war eine eindeutige Knappheit, ja gar ein Mangel zu finden. Deshalb war auch eine Zahlungsbereitschaft für eine neue Idee namens dezentralem Coworking da, aus dem sich der heutige partizipative Prozess entwickelt hat. Die wertschöpfende Aktion ausgeführt von einer reifen, selbstführenden Person ist deshalb so bedeutend, weil zwei zentrale Prinzipien vereint sein sollten:

  1. Der Fokus auf die machende Aktion trifft auf einen Mangel resp. eine Knappheit, die bewusst von beiden Seiten wahrgenommen wird.
  2. Die Beziehung zwischen Anbieter und Kunde wird bewusst und der Anbieter kann gegen einen Betrag helfen die Fülle zu erreichen. Es entsteht eine kooperative Basis, weil man gemeinsam auf eine Reise zu einem gemeinschaftlichen Ziel - der Fülle in einem ganz spezifischen Bereich - geht.

Um mehr geht es in einer wertschöpfenden Aktion nicht. Alle weiteren Entwicklungsthemen, die nicht mit dem Purpose/Zweck und dem "Wie" dieser Organisation in Beziehung stehen, sollten in einem kulturellen, zivilgesellschaftlichen oder privaten Format verfolgt werden. Hingegen stellen sich zwei Fragen:

  1. Setzt die Organisation mit dem Fokus auf die wertschöpfende Aktion das nötige Potenzial frei, um den höheren Zweck/Purpose zu erfüllen?
  2. Wie kann die Organisation mit verantwortlicher Ressourcenallokation das Kollektiv "Wir" (die Kultur) so entwickeln, dass der Antwort auf die erste Frage genüge getan ist?

Wenn die Führung einer Organisation Entwicklung zu einem höheren Zweck vorlebt, lädt das ein und bewegt Menschen. Diese Führung braucht kollektive Formate, um das glaubwürdig ausleben zu können. Die Konkretisierung dieser Praxis ist eine Reise, die mit der wertschöpfenden Aktion zwingend in Einklang sein muss, um Kooperation und ihre Praktiken in einem wirtschaftlichen Kontext langfristig zu verankern.