Bildquelle: Haltung entscheidet - aus einem Kurs mit Martin Permantier
Bildquelle: Haltung entscheidet - aus einem Kurs mit Martin Permantier

Führen: Mehr und nicht weniger Führung braucht der Mensch

Selbstführung ist die Voraussetzung für Selbstorganisation.

 

Wir werden als Subjekt geboren und zu einem Objekt gemacht, habe ich erstmals mit 35 Jahren als Satz gehört. In diesem Moment hat die machende Kraft gezündet. Denn wer will schon bewusst ein Objekt sein. Macher*in kann und soll nicht jeder sein, aber diejenigen, die die Reife mitbringen, müssen es sein und zwar so, dass es im Interesse möglichst vieler Werte etabliert, weil sie weder auf Basis einer ungesunden Gesellschaft noch einem desolaten Planeten dies selbstbestimmt und resilient tun können. Seit die Neuroplastizität beschrieben wurde und damit klar war, dass wir Menschen uns jederzeit verändern können, hat das Wort Potenzial Hochkonjunktur. Dies ist richtig und wichtig. Es gilt die Schöpferkraft im Menschen zu aktivieren, um die grösste Aufgabe der Menschheit - den Klimawandel - zu reduzieren. Jede Generation und jeder Mensch hat sich zu Fragen, führe ich mich adäquat? Sind mir meine Muster bewusst? Sind sie in der Firma auf dem Tisch? Wie kann Führung zu etwas durchwegs Positivem werden? 

 

Nach fünf Jahren konkreten unternehmerischen Erfahrungen als Social Entrepreneur, Ideenentwickler und Reflexionspartner sowie konkreten Erfahrungen rund um Haltungen, positives Führen, Achtsamkeit, Ganzheit und Mitwirkung und anderen Themen mehr, weiss ich, dass es fünf Aspekte braucht die auszubilden sind. Im ersten Schritt gilt es für sich selber einen achtsamen Umgang aufzubauen, Haltungsarbeit zu beginnen und ein integres Leben in Ganzheit schrittweise sich zu erschliessen. Was privat beginnt, dehnt sich meistens in berufliche Räume aus. Bei mir war das etwas anders. Es hat zwar privat begonnen, aber rein auf Basis des rationalen Verstandes. In der grössten bisherigen Krise merkte ich, dass ich genauer und vielfältiger meinen Blick auf was ich als real betrachte und beschreibe anschauen muss. Trotzdem kam eine Einladung im Aussen ein genossenschaftlich und holokratisches Startup mitzugründen. Ich bin voll eingestiegen und durfte auch dank diesem Projekt massiv an mir arbeiten. Das ging auch sehr gut bis ich merkte, dass ich inneres und äusseres vermischte. Was in dieser neuen Arbeitswelt mit dem Postulat das Arbeitszeit eigentlich Lebenszeit ist und wir stattdessen Arbeit und Leben integrieren und somit eine Work-Life-Integration betreiben, die individuell unterschiedliche Prägungen haben kann. Zurück zum mischen. Der Purpose “Arbeite, wo du lebst” habe ich mit dem Pendeln - auch aufgrund der Story - in Bezug gebracht, dass ich jedoch ein inneres Vakuum kompensierte, war mir erstmals nicht bewusst. Erst mit dem Abnehmen von immer mehr Zwiebelschalen rund um mein Herz (limbisches System) und abgedeckten intuitiven Willen (unbewusste Muster) wurde mir bewusst, dass es um eine fehlende Verbundenheit zu mir und meinem inneren Kern sich dreht. Als Nebenschauplatz wurde mir auch bewusst, dass ich nur wenige ausbalancierte und voll integre Führungsvorbilder erlebt habe. Diese Prägungen könnten auch dazu geführt haben, dass ich in der Versprechung hierarchiefreie Organisationen können eine Lösung sein, mich dazumal aufgefangen hat. Heute weiss ich, dass all dies eine Suche im Aussen gleicht und ich in der inneren Verbundenheit die Antwort finde und nur dort. Es deshalb mehr umfassende Selbstführung braucht, die die vielfältigen Haltungen und die pluralistische Sicht auf was wir als Realität bezeichnen, stärkt. Dann können wir destruktive und konstruktive Formen von Chaos und Ordnung annehmen; sprich Führung und Management auseinander halten. Auch habe ich an mir beobachtet, dass ich schrittweise durch das Wahrnehmen der eigenen inneren Vielheit auch die Mehrdeutigkeit von Realitäten im Aussen bewusster im Moment wahrnehmen kann. So sagt mir z.B. meine Trauer, dass ich etwas vermisse. Meine Wut ist eine Erinnerung, dass da was meine innere Aufmerksamkeit braucht. Die Angst erinnert mich, dass ich achtsam und präsent sein und meine Scham hilft mir mich verletzlich zu zeigen und echte Verbindungen aufzubauen. Mit dieser ganzheitlichen, vielfältigen Selbstführung kann ich Stärken Anderer würdevoller annehmen, auch wenn es hier immer wieder Momente der Spannung gibt, speziell bei hoch emotionalen Konstellationen. Aber genau darum geht es, dass ich möglichst ruhig auf einen Reiz/Stimulus reagiere. Das gelingt mir, wenn ich möglichst viele mögliche Perspektiven auf diesen Reiz betrachten kann und auch so antworten kann. Dies ist dann möglich, wenn ich meinen inneren Freiraum weite, indem ich eben mehrere Haltungen integriere und Prägungen, Traumatas und andere Blockaden und Muster verarbeite und integriere. Denn alle traumatischen Erfahrungen, seien sie noch so klein bleiben im Körper und können unser Verhalten und unsere Sprache beeinflussen. So sind Standards und Tools im Aussen am sichtbarsten, Haltungen aber wenigsten. Wenn ich lerne zu verstehen, wieso ich mit Standards, Regeln und Tools viel oder nichts anfangen, formelle oder informelle Strukturen liebe oder hasse und wie ich mit eigenen und fremden Werten umgehe, bekomme ich ein Gefühl für die vielfältige und komplexe Welt. Ich werde reifer und mitfühlender und weite den inneren Freiraum, kann Reize besser einordnen, lerne meine Gefühle als Informationen zu lesen und kann Coach meines eigenen Lebens werden und auch ein reifer Spiegel für andere sein. Ich bin in der Lage einen begleitenden Führungsstil zu praktizieren. Es ist und bleibt herausfordernd.