Kapitel 3: Fehler gehören zum Leben

Bildlegende: Aus der Serie vom Impulse Magazin (www.impulse.de) resp. der hochwertigen Buch-Publikation derselben Quelle.
Bildlegende: Aus der Serie vom Impulse Magazin (www.impulse.de) resp. der hochwertigen Buch-Publikation derselben Quelle.

Es gibt zwei Denk- und Handlungsweisen: Die eine spricht davon, dass innere Prozesse privat sind. Die andere - eine integrale - sieht gerade die Stärke darin Haltungen zu zeigen. Ich bin noch kein erfolgreicher Unternehmer, wie die portraitierten Menschen aus dem nebenstehenden Buch. Ich teile jedoch die Überzeugung, dass wir eine offene und transparente Fehlerkultur brauchen. Ich habe von einem heute sehr erfolgreichen Unternehmer in mehreren persönlichen Treffen gelernt, was Glaube an sich ist und wie dieser mit Entwicklung zusammenhängt. Auch durfte ich bei einem der erfolgreichsten integralen Unternehmer ein persönliches Gespräch annehmen. Ersterer hat mich an die Kraft der Reflexion und weitere Aspekte erinnert. Letzterer hat an die Selbstermächtigung statt an die Kundenorientierung appelliert. Mein bisher grösster Fehler setzt sich aus vier Teilfehler zusammen, die sich in den letzten Jahren zu einem klareren Bild und sieben Lernfelder zusammen gefunden haben. Zuerst die vier Teilfehler, dann die sieben Lernfelder:


Teilfehler 1: Aktion statt Reflexion

Aus einer tiefen Krise mit Hypophysen-Adenom bin ich zwar in eine erste Reflexion gegangen, aber dann mit Spital und erster Firmengründung trotzdem wieder in die Aktion und damit ins Aussen geflüchtet. Mit der Scheidung wurde die Krise noch tiefer. Auch wenn ich die Stille suchte, führte sie zwar zu Ruhe und mit der Zeit zur Gesundung, aber nicht zur Erkenntnis. Ich sprang in die Aktion statt in die tiefe Reflexion über mein Selbst. Ich habe mich in die Sinn- und Glückssuche im Aussen geflüchtet. Ich habe mich nicht wirklich gekannt. Woher kommt meine Kraft? Meine Energie? Wer bin ich? Was will dieses Leben in diesem Körper von mir? Es ist das was die erfolgreichen Unternehmer in der besagten Publikation mit der «inneren Stimme» bezeichnen. Ist es mit der Aktion um und in mir zu laut, höre ich diese nicht. Mit der Aktion habe ich die Lautstärke trotz Meditationspraxis erhöht, statt sie konsequent zu reduzieren. Ich bin neben ersten Reflexionen, persönliche Entwicklung und meditativen Erfahrungen in ein erstes unternehmerisches Abenteuer gestartet ohne, dass ich mich wirklich wirklich gekannt hatte. Das Begehen der Aktion hat zwar viele Türen geöffnet, aber im Innern blieben sie zu. Ich war zu fest in der Aktion. Heute weiss ich, dass es mich einiges gekostet hat. Ich bereue die Ursachen nicht beleuchtet zu haben, weil es zahlreiche Beziehungen strapaziert und einem unnötigen Test unterworfen hat. Ich bin jedoch für alle Erfahrungen, die mir das Leben dadurch geboten hat dankbar, weil sie mich zu dem gemacht haben, wer ich heute bin.


Teilfehler 2: Wirken für Sinn im Aussen

Ich bereue, dass ich im Aussen mir selber als Pendler ins Gewissen gesprochen habe: Ich war vor meiner unternehmerischen Reise ein Pendler und wurde als damaliger Betreiber eines kooperativen Büros (Coworking) in St. Gallen von der Story die Mobilität durch solche jedoch dezentrale Büros zu reduzieren, angesprochen. Eine sympathische Angelegenheit. Ich engagierte mich als Mitgründer einer Genossenschaft. Ich war darin als Geschäftsentwickler und Nomade auf Bühnen und in partizipativen Settings in Gemeinden landauf und landab unterwegs, um diese Geschichte zu erzählen. Statt das ich in die innere Stille und Reflexion ging, füllte ich damit das individuelle Sinnvakuum im Innern durch das Machen im Aussen. Ich verwechselte die innere mit der äusseren Entwicklung. Alle Weiterbildungen zu Werten, Haltungen, Stärken, Energien, etc. verliefen sich bis im 2019 im Sand, weil sie durch das innere Vakuum nicht zum Selbst durchgedrungen sind. Heute weiss ich, dass die zu ausgeprägte Mobilität in den Spitzenzeiten am Morgen und Abend ein Phänomen, aber nicht die Ursache für extensives Pendeln ist. Das liegt in individuellen Haltungs- und Verhaltensmustern. Ich rannte von meiner (Selbst-)Verantwortung davon. Auch lernte ich, dass die Hoffnung auf verhaltensökonomische Nudges - von denen ich noch im TED-Talk 2017 erzählte - für das Pendeln nicht geeignet sind, wenn die Ursache für dieses Verhalten in individuellen und familiären Mustern begründet sind. Ich nutzte dazumal die Nudges als Kompensation, um nicht an meinen unnachhaltigen Verhaltensmustern und damit auch den tiefen Mustern im sogenannten inneren Kind zu arbeiten. Erst wenn ich meine innere Quelle und damit den Ursprung von Lebenssinn finde, bin ich in der Lage selbstermächtigt Grenzen zu setzen (z.B. im Team, dem Chef oder indem ich eine (Teil-)Selbständigkeit aufbaue). Mein Wirken für Sinn im Aussen hat alte Muster gestärkt, statt das ich mit ihnen gebrochen habe. Im Herbst 2019 bin ich aus der mitgegründeten Genossenschaft ausgestiegen. Ich habe dieses mit viel Scham behaftete Ereignis aufgearbeitet, aber dann doch wieder mit einem Abstecher nach Luzern dort weitergemacht, wo ich aufgehört habe. Rund ein Jahr zuvor habe ich das innere Sinnvakuum mit diversen inneren Prozessen begonnen aufzuräumen. Diese Prozesse benötigen Zeit und so hat mich im Herbst 2019 der Bauch gewarnt, dass ich weiterhin noch nicht bereit bin. Die Gespräche mit den Unternehmern in der besagten Organisation in Luzern haben mir gezeigt, dass ich mit der Sinnsuche im Aussen auf dem Holzweg bin. Ich bin ihnen heute dafür dankbar. Im Aussen war ich dazumal bereits reif, was zu einem sauberen Trennen geführt hat. Im Innern war ich weiterhin nicht wirklich bereit, um als Unternehmer zu wirken, weil aus traumatischen Ereignissen die ursächliche Scham weiterhin eingeschlossen war.


Teilfehler 3: Grenzen nicht zeigen und Selbstermächtigung nicht entwickeln

Wieso und warum bin ich überhaupt in diese existenzielle, gesundheitliche und soziale Krise hineingerutscht? Wenn ich die tiefe Quelle meiner Kraft und meiner Energie (die Gefühle) nicht kenne resp. sie verdränge, kann ich mich nicht ganzheitlich gesunden, entwickeln und in Balance bringen. Ich versuche dann im Aussen die grossen Muster (z.B. mit Spiral Dynamics) zu deuten, während das Selbst sich nicht gesundet und/oder entwickelt. Erst mit den inneren Prozessen ab Herbst 2018 verstand ich, was mir der eine Unternehmer mit zwei Leitsätzen bereits ganz am Anfang der Reise gesagt hat:

 

«Wer Grenzen beachtet, die die eigenen Bedürfnisse und Werte vorgeben, wird mit der Zeit wertvoller.»

«Wer andere führen will (im Sinne von die Bühne überlassen), muss sich zuerst führen können.» 

 

Was ich erst mit der Zeit und durch innere Prozesse (und v.a. Körperarbeit) erfahren habe, ist das Werte und Bedürfnisse an Gefühle und die damit verbundenen Erfahrungen gebunden sind. Das Besuchen von Weiterbildungen in Projektleitung und ähnlichen Führungsthemen in früheren Jahren waren zwar interessant, die Inhalte drangen jedoch nicht zum Selbst durch, weil die inneren Prozesse bis Herbst 2018 fehlten. Wenn ich nicht wirklich meine Grenzen ziehe, die sich aus den persönlichen Werten und meiner Mission ableiten, ermächtige ich meine innere Stimme nicht zu mir zu sprechen. Damit richtete ich den Fokus auf Kunden und das Aussen statt auf mich. Denn Resonanz ist eine Frage von Klarheit und Führung eine Frage von Reife. Deshalb braucht es Führungskräfte, die sich idealerweise als eine geführte Selbstorganisation oder Synarchie manifestiert. Die dafür nötige Transformation einer Struktur braucht ganz bewusste und klare Führungskräfte.


Teilfehler 4: Vielfalt vor Klarheit

Zuerst braucht der Mensch aus seiner Tiefe der Existenz und der Biographie (Who) die Antworten auf die Frage, was ihn ausmacht, um klar sehen und engagiert gelassen wirken (Why, How und What) zu können. Wenn emotionale Erlebnisse im unbewussten Teil verdrängt sind, braucht es dafür sichere Räume von seriösen Gemeinschaften und je nach Tiefe therapeutische Unterstützung. Ich habe beide Ansätze verbunden. Die Klarheit kam schrittweise als ich mich mit dem inneren Kind, den Tiefen meiner Psyche und meiner Biographie befasst habe. Ich habe meinen Patenonkel (Götti) nach über 10 Jahren und damit den Bürgerort wieder besucht. In der Folge werde ich mich der italienischen Sprache zuwenden, um dieses innere Identitätsvakuum zu füllen. Dadurch verstehe ich heute auch besser weshalb Kunst, Kultur oder die Spiritualität Menschen hilft die persönlichen Entwicklungsthemen zu finden. Die innere Kraft resp. die ausgeprägten, reflektierenden Denkprozesse haben mir in den grössten Momenten tiefer Trauer über das Bewusstwerden eines kompensatorischen Verhaltens und die dahinter liegende Scham aus Momenten der Entwicklung gezeigt, wo ich am Feuer in sicheren Räumen an mir arbeiten darf. Der Weg geht - wie schon Odo Marquard sagte - in die Herkunft, um Zukunft zu gestalten. Solange ich von meiner inneren Wahrheit davon renne, kann ich nicht Machen. Ich kompensiere im Aussen - sei es in der Politik oder mit unreifen Geschäftsmodellen. Heute ist mir klar, weshalb Wirtschaftsvertreter so konsequent ihren Standpunkt vertreten. Die Aspekte bezüglich Herkunft und Quelle habe ich nicht nur bei Peter König, sondern auch im ersten Buch von Barack Obama (die Geschichte meiner Familie) nachlesen können. Ich habe mich durch die Passion Menschen und ihre Anliegen zu Projekten zu verbinden und in Kooperationen zu führen, schon immer vielfältig interessiert. Mir fiel es aufgrund der inneren, emotionalen Blockaden lange schwer mich zu fokussieren und damit klar zu kommunizieren und zu organisieren. Heute weiss ich, dass Klarheit vor Vielfalt kommt und die Antwort nur in mir drinnen zu finden ist und ich sie nicht alleine finden kann. Ich brauche Künstler:innen oder sichere Räume - einen Kreis oder Coach - der mir erlaubt mich systemisch fallen zu lassen.


Was habe ich gelernt?

  • Die Krise im Aussen nicht zu antizipieren, ist die Ursache. Als ich 2013 mein inneres Sinnvakuum mit Erfahrungen im Aussen begonnen habe zu analysieren und mit Erfahrungen aufzuarbeiten, habe ich die inneren Schatten nicht betrachtet. Ich haben dazumal den Augenblick verpasst, um nach Innen und nicht nur nach Aussen meinen Fokus zu richten.
  • Ist die Krise ausgebrochen, hätte ich konsequent in die Stille gehen sollen. Auch wäre es besser gewesen einen Fuss in der gewohnten Umgebung zu behalten und nicht alles auf eine Karte im Aussen zu setzen, um zu wachsen. Hätte ich dazumal schon sichere Räume der Entwicklung gekannt, wäre das der Ort und Zeitpunkt für das Spiegeln von inneren Mustern und um die Klarheit zu vergrössern. Mit dieser inneren wachsenden Klarheit wäre ich im Sinne von Design your Life bereit, um erste Experimente zu wagen und die Klarheit der inneren Stimme wachsen zu lassen, aber meinen bisherigen Weg zu gehen.
  • Für alles was ich - freiwillig oder unternehmerisch - gemacht habe, ist die Auseinandersetzung mit der inneren Quelle die zentrale Voraussetzung, um daraus den Sinn, den Beitrag und die Produkte abzuleiten. Für mich als sozialer Unternehmer (sog. Social Entrepreneur) gilt das noch viel stärker: «Start with Who not with Why» und das radikal und grundsätzlich. Egal welches Machen: Es braucht innere Reife oder den Willen diese laufend über konstruktive Reflexion zu stärken. Dabei ist wichtig, dass die Reife nach Innen schaut und die Volljährigkeit (oder Mündigkeit) ein Konzept im Aussen ist.
  • Bei NewWork und verwandten Themen geht es deshalb im Kern, um nichts Neues, sondern darum innere Themen bewusst zu machen. Zuerst bei sich selber und dann im Aussen beginnend in der Familie bevor ich bei der Arbeit interveniere. Dabei denke ich an offene und der Reflektion zugewandte Dialog- und Möglichkeitsräume, um Perspektiven in ihrer Vielfalt erkennen zu können und daraus ein lebendiges gemeinsames Bild mit Mitgefühl und innerer Autonomie leben zu lernen.
  • Fehler sind meine Entwicklungsleitern und meine innere Stille und Ruhe muss ich beschützen. Wie beim Brunnenwasser: Ist die Wasseroberfläche aufgeschäumt, sehe ich die Wellen (analog den Tonwellen von Musik oder Sprache im Aussen). Wenn sich die Aufregung legt, das Wasser zur Ruhe kommt, ist das Wasser ein Spiegel. Ich erkenne mein Gesicht. So ist es auch im Innern. Reflexion braucht Stille für das Ich und die passende Diagnostik und Methodik für das Wir.
  • Deshalb gilt es den Mut aufzubringen, um die Ursachen von inneren Ängsten, Momenten der Scham, Trauer und Wut zu betrachten, um daraus zu lernen und den Bezug zur Biographie und dem Selbst zu ziehen. Denn die Haltung basiert auf der inneren Klarheit. Deshalb steuern Gefühle die Gedanken und dieser Mix die Taten. Sprich ich renne von meinen verschlossenen Gefühlen davon und mache dann Sachen, die nicht entwickelnd sich manifestieren und als Utopien auch Wirkung entfachen, aber in der Gegenwart nicht resonanzfähig sind. Daraus entstehen Muster, die sich dann im Charakter und der Persönlichkeit manifestieren. Deshalb erkenne ich Sieger am Start. Mit Bezug zur Publikation am Anfang ist es so, dass wenn ich auf die innere Stimme höre, komme ich ins selbstermächtigte Gestalten. Ich kann in der Folge die ungesunden und unnachhaltigen Mustern reduzieren, mich entwickeln und Klarheit finden.
  • Die Orte und Menschen, die ich aufsuche oder mich auf dem Weg begleiten sind entscheidend, um auf dem Weg nach Innen voran zu kommen. In der Rückschau erkenne ich auf einmal, dass diese Menschen mir die eine oder andere Selbsterkenntnis schon lange sagen, ich es einfach nicht wahrhaben wollte. Das Verlassen und Neuanfangen an neuen Orten braucht Mut, aber genau das war bei mir einer der Schlüssel, um mit Mustern zu brechen. Der letzte Schritt war mit viel Veränderungswirkung und Engagement verbunden, um ein neues stabiles Setting zu finden und den Weg zur Ganzheit weiter zu gehen.


Abschliessende Gedanken

Es war eine Reise mit Blut, Schweiss und Tränen, die für meine Verhältnisse viel Geld gekostet hat. Ich bin nun bereit, um zurück an den Start zu gehen. Das zu Machen, was Entwicklung ermöglicht. Dabei ist mir wichtig, dass ich nicht vor Fehler gefeit bin. Ich kann heute aber besser unterscheiden, wann ich vor meiner inneren Stimme und damit der Stille davon renne oder wann ich bereit bin in tiefe Abgründe hineinzusehen und daraus dafür zu lernen wer ich eigentlich bin. Denn ein Mentor der ersten Stunde hat mir gesagt, dass es darum geht nach dem OK-Zeichen im Tauchen im Leben zu wirken. Der Zeigefinger ist was ich gelernt habe, der Daumen was ich als Kind gerne war. Ist das innere Kind aber nicht ganz und damit heil, bin ich nicht klar. Als Taucher müsste mich mein Buddy retten. So bleibe ich als Mensch abhängig von Führungspersonen oder einer Gemeinschaft. Schlimm ist, wenn ich im Alltag ständig ertrinke, es aber bewusst nicht wahrnehme. Auf dieser Basis ist ein machendes Wirken als ganzer Mensch nicht möglich und die Resonanz fehlt.