Aktuell sehen und planen wir Entwicklung von den Strukturen her und nicht konsequent vom Menschen her. Aber das was auf diesem Planet an Schöpferkraft für Menschen zu sehen, geniessen und nutzen ist, wurde immer vom Menschen her gedacht, gemacht und damit manifestiert. Auch deshalb ist das Machen bedeutender als das Denken und damit Wollen. Denn ich jammere oder forsche bis ich den Mut auf mich nehme, um im eigenen Leben etwas zu tun. Jeder Mensch, der etwas wagt - zuerst bei sich - in Bewegung zu bringen, geht ein Risiko ein, weil er:sie sich entwickelt. Bereits in den 1960er-Jahren hat der Psychologe Urie Bronfenbrenner die menschliche Entwicklung beschrieben. Er hat mit seinem ökosystemischen Ansatz die Pädagogik geprägt. Anhand von vier Fragen möchte ich meine Erfahrung mit Entwicklung in Systemen, beginnend beim Ich, darlegen.

 

Würgen Hierarchien systemische Entwicklung ab?

In der wirtschaftlichen Praxis sind aufgrund einer tayloristischen Prägung des Managements lange die systemischen Themen nicht eingeflossen. Es wurde fast schon wie im wilden Westen geführt. Seit der Jahrtausendwende hat sich dies mit der verstärkten Vernetzung und Digitalisierung schrittweise geändert. Heute arbeiten Konzerne zum Beispiel mit Working out Load, Arbeiten mit Werten und thematisieren Haltungen und wie sich diese bilden und verändern. Mit ersterem habe ich bereits experimentiert und bin überrascht, wie stark und gut sich Beziehungen auch über Distanz bilden und verbessern können und zu Werten und Haltungen vertiefe ich mich seit 2016. Sie sind der Schlüssel, um Entwicklung vom Ich aus zu verstehen und das limbische System als den wichtigsten und engsten Freund zu sehen - ja ihn oder sie zur engen Kooperation einzuladen. Dafür braucht es eine Revolution wie wir unser Leben und das Ver- und Be-Halten von und mit Mustern betrachten. Denn Muster sind vom Umgang mit Gefühlen abhängig.

 

Wann entwickelt sich der Mensch in Systemen?

Nach über sechs Jahren und einer eigenen Reise bin ich erfreut und ernüchtert zugleich. Erfreut, weil ich für mich erkannt habe, dass das was ich sage ein Produkt meiner momentanen Haltung (Mischung aus Gefühlen, Gedanken und gespeicherten Emotionen) ist. Das erlaubt mir bewusster zu leben, auch wenn es von Moment zu Moment eine Herausforderung bleibt. Das ist ein menschliches Leben so oder so. Ernüchtert bin ich, weil ich in Systemen und Projekten immer wieder feststelle, wie stark der von Odo Marquard (ein Philosoph) eingeführte Begriff des «homo compensator» ist. Immer wieder beobachte ich an mir selber, dass ich wegen konstruierten Schutzstrategien unbeliebtes Verhalten und Mustern umgehe, verschiebe oder rauszögere oder durch etwas kompensiere. Dazu zählen auch Betäubungsmittel (Alkohol, etc.). Deshalb habe ich mich über die Jahre angewöhnt möglichst bewusst zu leben. Zu Beginn ging es darum ganz auf gewisse Mittel zu verzichten, um die Bewusstwerdung zu stärken und ganz auf meine Bedürfnisse, Werte und damit Gefühle Zugriff zu bekommen. Letzteres ist eine Lebensaufgabe. Wenn ich beobachte, wo ich heute bin und was ich heute alles sofort wahrnehme, nehme ich Entwicklung anders wahr. Ich habe diese eigene Beobachtung in Projekten, in Gesprächen und mit Literatur reflektiert. Noch immer und heute noch stärker als je zuvor beginnt Entwicklung beim ICH.

 

Wieso beginnt Entwicklung beim ICH?

Meine Realität basiert auf dem was ich sehe oder sehen will. Deshalb ist die Breite und Tiefe meines Repertoires bedeutsam. Ich muss gewillt sein in die tiefenpsychologischen Aspekte meines Lebens abzutauchen, um z.B. die archtypischen Verhaltensmuster zu ergründen, aber auch die Persönlichkeit auszuleben, indem ich auf meine Bedürfnisse, Werte und Stärken acht gebe und mein Leben aktiv selbst reguliere. Wenn ich dann noch nach meinem persönlichen Sinn frage, erkenne ich mich als kleiner Punkt im Universum und beginne den Beitrag für das grössere Ganze auch als Entwicklungsaufgabe zu sehen. Wenn dies jedoch zu früh geschieht, kann das zur Unterwanderung ökonomischer, strukturierter und wachsender Grundsätze führen. Das grosse Ganze bedeutet, dass ich bereit bin für ein WIR oder gar ein ALLE, sprich für eine Organisation oder gar einen gesellschaftlichen Kontext zu handeln. Diese letzte Ebene braucht ein stets und weiterführendes Training des Mitgefühls und damit auch der inneren und äusseren Autonomie aller im System beteiligten Kräfte. Es braucht ein Spielfeld der Kooperation, dass beim ICH beginnt.

 

Entwickelt sich das Wir nach dem Ich oder das Ich nach dem Wir?

Dies ist heute keine Frage mehr für mich, weil ich verstehe weshalb die einen mehr und andere weniger haben. Es braucht primär eine innere Reife, um aktiv das WIR und damit das ALLE zu gestalten. Diese Reife entwickelt sich mit der ICH-Entwicklung. Wenn ich nicht bereit bin, entwickeln sich weder mein Umfeld noch meine Kontexte, Projekte und Unternehmen. Dieser Reifungsprozess beginnt im Innen und nicht im Aussen. Deshalb wünsche ich mir zum Beispiel auch, dass die Service Clubs - vor allem der Jungen - sich stärker auf diese inneren Themen fokussieren. Wenn sie nebenbei noch Beziehungen pflegen, die ihren Projekten und Unternehmen dienen, hat das einen Wert, aber bitte nicht umgekehrt. Denn Verantwortung beginnt innen und nicht aussen. Es gilt die Lust auf Verantwortung zu (be)schulen. Dazu verlinke ich gerne die Keynote, den Talk und die Q&A mit Wolf Lotter. Über Verantwortung habe ich auch einen Blog geschrieben.

 

Fazit: Wollen wir die Kontexte weiterentwickeln, müssen wir zwingend immer auch den involvierten Menschen und Organisationen einen Entwicklungsrahmen bieten.